AIM sorgt dafür, dass KI dich versteht.
MAAP sorgt dafür, dass sie den richtigen Kontext hat.
Damit hast du Struktur und Substanz. Was jetzt noch fehlt, ist Tiefe und Stil. Genau hier kommt OCEAN ins Spiel. OCEAN entscheidet, ob eine Antwort nach generischem KI-Text klingt oder nach einer Haltung, einem Gedanken, einer Person.
Ich nutze OCEAN als eine Art Qualitätsfilter. Nicht am Anfang des Prompts, sondern am Ende des Prozesses. Es ist das Werkzeug, mit dem ich aus einem brauchbaren Entwurf einen wirklich starken Beitrag mache.
Was hinter OCEAN steckt
OCEAN steht für:
- Original
- Concrete
- Evident
- Assertive
- Narrative
Jeder Buchstabe steht für eine Frage an den Text. Wenn ich mit KI arbeite, prüfe ich systematisch entlang dieser fünf Punkte. So entsteht Tiefe. So entsteht Stil. Und der Text hört auf, nach Maschine zu klingen.
O wie Original
Die erste Frage lautet:
Gibt es in der Antwort überhaupt eine eigene Idee?
Viele KI-Texte wirken austauschbar. Sie sind korrekt, aber seelenlos. Wenn ich O wie Original anwende, fordere ich vom Modell mindestens einen eigenständigen Gedanken.
Typische Anweisung an die KI:
Gib mir drei ungewohnte Blickwinkel auf das Thema. Markiere einen als mutig und empfehle den, den du für am stärksten hältst.
Damit verlässt du den Mainstream der Antworten. Du holst dir Kanten in den Text. Und genau diese Kanten machen ihn merkbar.
C wie Concrete
Ohne Konkretheit bleibt alles Theorie.
Hier stelle ich mir eine einfache Frage:
Sind im Text Namen, Beispiele, Situationen, Zahlen oder Bilder enthalten, an denen man sich festhalten kann?
Wenn nicht, schärfe ich nach. Zum Beispiel so:
Hinterlege jede wichtige Aussage mit einem konkreten Beispiel aus der Praxis. Nutze Situationen, die für Führungskräfte und Projektleiter plausibel sind.
Aus allgemeinen Aussagen werden so echte Szenen. Leser können sich darin wiederfinden. Und KI hört auf, in Floskeln zu sprechen.
E wie Evident
Evident bedeutet: Die Begründung ist sichtbar.
Die Argumentation ist nicht nur da, sie ist nachvollziehbar.
Ich frage mich:
Ist erkennbar, warum diese Empfehlung sinnvoll ist?
Oder behauptet der Text nur, dass etwas richtig ist?
Fehlt mir diese Tiefe, nutze ich eine Aufforderung wie:
Zeige deine Logik in drei klaren Schritten. Formuliere zuerst die Annahme, dann die Begründung, dann die Schlussfolgerung.
So zwinge ich die KI, ihre Gedanken offenzulegen.
Die Antwort gewinnt an Tiefe und wirkt weniger wie ein Meinungswürfel.
A wie Assertive
Assertive bedeutet: Der Text bezieht Position.
Er wählt eine Sicht. Er bleibt nicht im Konjunktiv hängen.
Hier ist meine Kontrollfrage:
Würde jemand diesem Text widersprechen können?
Wenn die Antwort nein ist, ist der Text meist zu weich. Dann fordere ich:
Wähle eine klare Position. Formuliere einen Hauptsatz als These. Begründe diese These und gehe anschließend auf den stärksten Gegenpunkt ein.
Dadurch wird die Antwort kantiger, aber auch interessanter.
Führungskräfte, Entscheider und Projektverantwortliche wollen keine Texte, die alles offen lassen. Sie wollen Orientierung.
N wie Narrative
Narrative ist der rote Faden.
Ein Text kann fachlich korrekt sein und trotzdem nicht hängen bleiben, wenn er keine Geschichte erzählt.
Ich frage:
Erzählt der Text eine Entwicklung?
Gibt es zumindest eine klare Reihenfolge: Ausgangspunkt, Problem, Einsicht, Handlung?
Wenn das fehlt, nutze ich zum Beispiel:
Baue den Text wie eine kleine Story auf. Einstieg mit Problem, dann zentrale Einsicht, danach konkrete Konsequenzen für den Leser.
Damit bekommt die Antwort Fluss.
Aus einem Block Informationen wird eine kleine Reise.
Wie OCEAN in der Praxis mit KI funktioniert
In der Praxis nutze ich OCEAN selten als reines Theoriegerüst. Ich arbeite damit Schritt für Schritt direkt im Dialog mit der KI.
Ein typischer Ablauf:
- Ich nutze AIM für den ersten Prompt.
- Ich ergänze MAAP, wenn Kontext, Assets oder Tools wichtig sind.
- Ich lasse die KI einen ersten Entwurf erstellen.
- Dann kommt OCEAN als Qualitätsfilter.
Beispiel für eine OCEAN Runde nach dem ersten Entwurf:
- O: Füge drei ungewöhnliche Perspektiven hinzu, die im Standarddenken oft fehlen. Kennzeichne sie klar.
- C: Ergänze zu jedem Hauptgedanken ein konkretes Beispiel aus einem realistischen Unternehmenskontext.
- E: Zeige deine Begründung in kurzen Logikschritten, bevor du das Ergebnis formuliert darstellst.
- A: Formuliere eine klare Hauptthese und verteidige sie gegen den stärksten zu erwartenden Einwand.
- N: Ordne die Abschnitte so, dass eine nachvollziehbare Dramaturgie entsteht. Leser sollen vom Problem zur Handlung geführt werden.
So entsteht aus einem brauchbaren Draft ein Text, den ich im beruflichen Umfeld vertreten kann.
OCEAN, AIM und MAAP im Zusammenspiel
AIM strukturiert die Ansprache an die KI.
MAAP sorgt dafür, dass der Kontext stimmt.
OCEAN veredelt das Ergebnis.
Kurz gesagt:
Wer alle drei nutzt, arbeitet nicht mehr reaktiv mit KI.
Er gestaltet bewusst. Inhaltlich, strukturell und stilistisch.
Was sich verändert, wenn du OCEAN konsequent nutzt
Wenn du OCEAN konsequent einsetzt, passiert etwas Spannendes:
- Du nimmst KI nicht mehr als Textmaschine wahr, sondern als Sparringspartner.
- Du trainierst nebenbei deinen eigenen Stil.
- Du erkennst schneller, was ein starker Gedanke ist und was nur Füllmaterial ist.
- Du entwickelst ein Gefühl dafür, wie viel Tiefe ein Text für deine Zielgruppe wirklich braucht.
Du nutzt KI nicht mehr, um Zeit zu überbrücken, sondern um Qualität zu heben.
OCEAN ist dafür kein theoretisches Modell, sondern ein sehr praktischer Kompass.
Wenn AIM und MAAP das Fundament deiner KI-Nutzung sind, sorgt OCEAN dafür, dass deine Ergebnisse nach dir klingen statt nach einem austauschbaren Baukastentext.
Die Frameworks wurden erwähnt und aufgezeigt von theMITmonk auf YouTube und wurden von mir übersetzt und ergänzt – hier die die Originalquelle: https://youtu.be/EWFFaKxsz_s